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Leitlinien für die Implantologie: DGI will den sicheren Therapiekorridor beschreiben


Veröffentlicht am 03.09.2010 von Zahnimaster - mal 283 gelesen






Leitlinien für die Implantologie: DGI will den sicheren Therapiekorridor beschreiben
vom 03.09.2010
Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Implantologie e.V. (DGI)
beginnen im September 16 Fachgesellschaften und Verbände mit der Erarbeitung
von Leitlinien zu vier wichtigen implantologischen Fragestellungen. Themen
sind neben Maßnahmen zum Erhalt des Alveolarkammes und den Indikationen für
die 3-D-Diagnostik, die Bewertung von Knochenersatzmaterialien sowie
Indikationen für festsitzende Versorgungen im zahnlosen Oberkiefer.
Präsentiert werden sollen die Leitlinien unter anderem auf dem 24. Kongress
der DGI am 27. November 2010 in Hamburg.


„Leitlinien sind entgegen mancher Befürchtungen keine Vorschriften, die ein
bestimmtes therapeutisches Vorgehen starr vorgeben“, sagt Prof. Dr. Dr.
Hendrik Terheyden, Kassel. „Vielmehr definieren sie einen
Behandlungs-Korridor, in dem sich Kolleginnen und Kollegen bei ihrer
Therapieentscheidung auf solider Grundlage sicher bewegen können. Leitlinien
erzeugen daher therapeutische Freiheit und keine Einengung.“ So beschreibt
der DGI-Präsident und Initiator des ersten Leitlinienprozesses der DGI das
Vorhaben.

Mit der Einleitung des Leitlinienprozesses setzt Professor Terheyden das
Motto seiner Amtszeit um: „Die wissenschaftliche Basis der Implantologie für
die Praxis stärken.“ Angesichts der rasanten Entwicklung der Implantologie
profitieren Zahnärztinnen und Zahnärzte davon, wenn neue Verfahren in einem
strukturierten Prozess auf den Prüfstand kommen und ihr Stellenwert und ihre
Bedeutung kritisch bewertet werden. Darum veranstaltet die DGI zusammen mit
15 relevanten anderen Fachgesellschaften und Verbänden inklusive
Bundeszahnärztekammer wissenschaftliche Konsensuskonferenzen.

„Wir wollen bei den jetzt ausgewählten Themen grundsätzlich prüfen,
inwieweit der Nutzen der jeweiligen Maßnahme von der wissenschaftlichen
Literatur gut untermauert ist, ob es Grauzonen gibt und in welchen Fällen
der Nutzen eines Verfahrens noch nicht ausreichend belegt ist“, beschreibt
Professor Terheyden die allgemeine Zielvorgabe. Konkret geht es um Antworten
auf vier Fragen: Welche Knochenersatzmaterialien sind in welchen
Einsatzgebieten in der Implantologie wissenschaftlich belegt? Ist eine
herausnehmbare Versorgung auf Implantaten im zahnlosen Oberkiefer besser als
festsitzender Zahnersatz? Wann ist eine 3D-Diagnostik und eine navigierte
Implantatinsertion sinnvoll? Sind Maßnahmen zum Strukturerhalt des
Kieferkammes nach Zahnextraktion vor einer Implantatversorgung effektiv ?
Denn wahrscheinlich ist, dass die einzelnen Maßnahmen in vielen Fällen
gerechtfertig, in manchen aber vielleicht nicht erforderlich sind.
„Dazwischen gibt es einen Korridor, den wir für unsere Kolleginnen und
Kollegen definieren und offen halten müssen“, sagt Professor Terheyden,
„damit bei der individuellen Therapieentscheidung die vorhandenen Spielräume
auch ausgenutzt werden können.“

Ende September werden die beteiligten Gesellschaften und Verbände die ersten
Entwürfe der Leitlinien diskutieren. Die Aktivitäten werden von der DGZMK
als wissenschaftliche Muttergesellschaft der DGI innerhalb der Zahnheilkunde
organisiert. Die DGI finanziert das Vorhaben. Überwacht wird der Prozess von
der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlich Medizinischen
Fachgesellschaften e. V. (AWMF), nach deren Regelwerk die Leitlinien
erstellt werden.

Dieses Regelwerk sorgt für einen strukturierten Konsensusprozess und
verhindert, dass Einzelmeinungen die Ergebnisse dominieren. Durch ein
formalisiertes Einladungsverfahren wird sichergestellt, dass das Gremium
repräsentativ ist. „Das Vorgehen stellt beispielsweise sicher, dass alle
Organisationen, die zu einem Thema etwas zu sagen haben, eingeladen werden
und vertreten sind“, erläutert Terheyden. Ebenso gehört dazu eine
systematische Auswertung der wissenschaftlichen Literatur durch unabhängige
Dritte. Den Abschluss bildet eine externe Begutachtung.

Von implantologischen Leitlinien können Patienten, Zahnärzte und die
kostenerstattenden Stellen gleichermaßen profitieren. Beispielsweise kommt
es immer wieder zu Verzögerungen einer Behandlung durch Diskussionen zur der
Frage der Kostenerstattung von Knochenersatzmaterialien. Darum wollen die
Experten prüfen, in welchen Indikationen diese Materialien indiziert sind
und welche qualitativen Eigenschaften diese Materialien haben müssen, um
klinisch effektiv und damit erstattungsfähig zu sein. Damit wird versucht
für alle Beteiligten Klarheit zu schaffen, so dass die Therapie und deren
Abrechnungsbewertung erleichtert wird.

Damit das Spektrum der Therapieoptionen auch für Patienten transparent wird,
gehört eine abschließende Maßnahme zur Leitlinien-Entwicklung dazu: Stets
wird am Ende auch eine Patientenversion erstellt.

Auf einen Blick: Die Leitlinien-Themen

1. In welchen implantologischen Indikationen ist die Anwendung von
Knochenersatzmaterialen experimentell und klinisch wissenschaftlich belegt?
2. Klinische Wertigkeit und Differentialindikationen für die festsitzende
bzw. herausnehmbare Versorgung auf Zahnimplantaten im zahnlosen Oberkiefer?
3. Indikation für radiologische 3D Diagnostik und navigierte
Implantatinsertion?
4. Indikationen von Maßnahmen zum Strukturerhalt der Alveolarkammgewebe bei
Zahnextraktionen vor geplanter Implantattherapie.



Deutsche Gesellschaft für Implantologie e.V.




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