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Ein Odol-Archiv für Dresden


Veröffentlicht am 25.08.2006 von Zahnimaster - mal 710 gelesen


Ein Odol-Archiv für Dresden vom 25.08.2006
Das Mundwasser gehört zu GlaxoSmithKline, die Tradition blieb in Dresden.

Dresden und Umgebung haben vermutlich die höchste Dichte an Süßigkeiten-Herstellern, weit vor jedem Schweizer Schokolade-Dorf. Bei so viel Provokation für die Zähne ist es nicht verwunderlich, dass Sachsens Hauptstadt sehr früh auch auf Mundhygiene setzte.

Noch heute ist Dresden Standort der Dentalkosmetik, zitieren sich mehrere Dresden-Führer gegenseitig. Zwei der bekanntesten Utensilien der Dentalkosmetik stammen von dort. Die Stadtchronik vermeldet stolz: In der Löwenapotheke am Dresdner Altmarkt stellte Dr. Ottomar Heinsius von Mayenburg 1907 erstmals Zahncreme maschinell her.

Weniger allgemein gültig, dafür noch etwas älter ist ein Produkt, das der Dresdner Unternehmer Karl August Lingner 1893 auf den Markt brachte: Odol. Der Chemiker Richard Seifert komponierte das Mittel aus einem medizinischen Antiseptikum mit kosmetisch wirkenden ätherischen Ölen und einem bissig-frischen Geschmack. Der Name setzt sich aus dem griechischen Wort für Zahn, odous, und dem lateinischen oleum (Öl) zusammen. Odol ist das Nachfolgeprodukt von Odontine, einem Mittel gegen Zahnschmerzen, das neben Nelken- und Pfefferminzöl auch Äther enthielt.

Der Siegeszug des Mundwassers wurde im Ersten Weltkrieg gestoppt, weil zur Herstellung Pfefferminz-Öl benötigt wurde. Dieses war vor 1914 vor allem aus den USA gekommen. Mit Beginn der zwanziger Jahre lief die Produktion wieder an, und zehn Jahre später gab es europaweit bereits mehr als 20 Odol-Fabriken.

Nachdem die Dresdner Lingner-Werke durch die alliierten Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs in Schutt und Asche gelegt worden waren, gingen 1949 die Markenrechte an den Düsseldorfer Lingner-Betrieb. Die damals gerade gegründete DDR stellte trotzdem ein Gegen-Mundwasser her, ebenfalls unter dem Namen Odol.

Heute kommt Odol ausschließlich aus Herrenberg in der Nähe von Stuttgart. Es ist ein Markenname des globalen Konzerns GlaxoSmithKline. Dieser sieht die Erfindung im medizinischen Zusammenhang: Sie falle in die Zeit, als Robert Koch und Louis Pasteur die Bakterien als Krankheitserreger und Verursacher der Karies entdeckten. Odol habe nicht nur die allgemeine Mundhygiene in Gang gebracht, sondern auch der aufkeimenden Markenartikel-Idee zum Durchbruch verholfen.

Die Odol-Flasche mit dem asymmetrisch gebogenen Hals zählt laut GlaxoSmithKline zu den bedeutendsten Design-Schöpfungen der Markenartikel-Industrie. Tatsächlich hat Odol neben der medizinisch-kosmetischen Bedeutung auch eine kulturelle Dimension.

Zu den prominentesten Werken, die das Badezimmer-Utensil verewigten, gehört das 1924 vom Amerikaner Stuart Davis gemalte Odol-Bild, das heute im New-Yorker Museum of Modern Art hängt. Das Odol-Archiv hingegen ist neuerdings im Deutschen Hygiene-Museum zu sehen und das befindet sich in Dresden, auch 61 Jahre nach der Zerstörung der dortigen Odol-Werke.
(Die Presse)

MoMA The Museum of Modern Art Odol

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