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Umfrage: Deutsche halten Gesundheitssystem für schlechter als früher


Veröffentlicht am 26.11.2008 von Zahnimaster - mal 163 gelesen


Umfrage: Deutsche halten Gesundheitssystem für schlechter als früher
vom 26.11.2008
Berlin (dpa) - Die Gesundheitsversorgung in Deutschland hat sich
in den vergangenen Jahren nach Ansicht der Mehrheit der Bürger
verschlechtert. 60 Prozent der Menschen sind der Meinung, die
medizinische Versorgung sei nicht mehr so gut wie früher. Von den
Ärzten sehen 57 Prozent eine negative Entwicklung. Das ist das
Ergebnis einer am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Umfrage des
Instituts für Demoskopie Allensbach. Unterdessen wurde bekannt, dass
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sich in einer Woche mit dem
Aktionsbündnis «Rettung der Krankenhäuser» trifft, um über Hilfe für
die teils notleidenden Kliniken zu beraten.

Nach der Umfrage ging der Anteil der Bürger, die das
Gesundheitssystem «sehr gut» oder «gut» finden, binnen eines
Jahres von 64 auf 59 Prozent 2008 zurück. 52 Prozent der Menschen
erwarten von dem Anfang 2009 startenden Gesundheitsfonds, dass die
gesetzlichen Krankenkassen dann weniger als bisher bezahlen. Insgesamt
rechnen 82 Prozent der Bürger mit weiter steigenden Beiträgen und 69
Prozent mit einer schlechteren Versorgung für Arme («Zwei-Klassen-
Medizin»).

70 Prozent der niedergelassenen Ärzte erwarten eine Verschärfung
ihrer Situation durch den Anfang 2009 startenden Gesundheitsfonds. Der
Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, sagte: «Das
Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit der Gesundheitspolitik ist
nachhaltig erschüttert.»

Der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Klaus Vater, kritisierte
die Umfrage als «interessengeleitete Studie», die nur den Sinn habe,
das deutsche Gesundheitssystem «mies zu machen». Deutschland werde
weltweit um seine Gesundheitsversorgung beneidet. Das System werde
modernisiert. «Wer da nur an frühere Vorteile denkt, der hat überhaupt
nicht begriffen, worum es geht.»

Das Allensbach-Institut hatte im September und Oktober mit
Unterstützung der Bundesärztekammer im Auftrag des
Finanzdienstleisters MLP rund 2300 Bürger befragt, darunter mehr als
500 Ärzte.

Bei dem am 4. Dezember geplanten Treffen zur Klinik-Finanzreform
soll es darum gehen, ob den teils notleidenden Kliniken noch stärker
als geplant geholfen werden kann. CDU und SPD wollen klären, ob die
Forderungen des Aktionsbündnisses für die Kliniken berechtigt sind.
Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa aus Fraktionskreisen. Neben
Ministerin Schmidt nehmen auch die Spitzen der Koalitions-Fraktionen
teil.

Zu dem Aktionsbündnis gehören Ärzteverbände, Kliniken,
Gewerkschaften und kommunale und kirchliche Arbeitgeber. Sie
kritisieren, dass die Koalitionspläne für das kommende Jahr nur rund
1,5 Milliarden Euro mehr für die Kliniken vorsähen. Damit könnten
nicht einmal 50 Prozent der höheren Ausgaben für das Personal gedeckt
werden.

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV),
Andreas Köhler, forderte Honorarkürzungen für schlechte
Arztleistungen. Die KBV sei sofort bereit, darüber mit den
gesetzlichen Krankenkassen zu reden, sagte Köhler dem Bonner «General-
Anzeiger» (Donnerstag). «Wichtig ist aber, dass man
Qualitätsindikatoren hat, an denen sich die Leistungen messen lassen.
Sonst wird jeder Arzt klagen, der Abschläge hinnehmen muss.»


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